Neue Broschüre zeigt Handlungsansätze für Willkommenskultur vor Ort

broschüre willkommenskulturIn der neuen Handreichung „Willkommenskultur vs. Rechtsextremismus. Handlungsansätze aus der Arbeit vor Ort“ berichten Menschen, die haupt- oder ehrenamtlich mit Flüchtlingen und Asylsuchenden arbeiten, von ihren Projekten. Mit ihren zahlreichen Beispielen gelungener Praxis soll kommunalen Handlungsakteuren dabei eine praktische Hilfe geboten werden.

Die im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ veröffentlichte Broschüre hat das Ziel über Erfahrungsgeschichten und Praxisbeispiele fachliche Impulse zu setzen, Rahmenbedingungen zu erklären sowie Chancen und Grenzen der Arbeit mit Flüchtlingen und Asylsuchenden aufzuzeigen. In den verschiedenen Beiträgen kommen Herangehensweisen und Erfahrungen bei der Schaffung einer Willkommenskultur ebenso zur Sprache wie der Umgang mit allgemeinen Ressentiments und Ängsten in der Bevölkerung. Auch die (präventive) Auseinandersetzung mit rechtspopulistischen und –extremen Strategien wird dabei beleuchtet.

 Hier können Sie die Broschüre herunterladen. (pdf)

 

Neustadt ist bunt und tolerant – Aktionstag 5. März, ab 16.00 Uhr, Neustadt/Orla

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Am kommenden Samstag den 5. März steht dem Saale-Orla-Kreis ein erneuter ThüGIDA-Aufmarsch bevor, dieses Mal in Neustadt/Orla. Vertreter*innen der Kirche, der Jugendarbeit und der Flüchtlingshilfe sowie der Gewerkschaft und der demokratischen Parteien haben sich auf einen gemeinsamen Aktionstag unter dem Motto „Neustadt ist bunt und tolerant“ geeinigt und rufen zu friedlichen, kreativen und demokratischen Protest auf.

Folgende Veranstaltungen stehen dafür zur Verfügung:

16:00 – Friedensgebet in der Stadtkirche St. Johannis

16:30 – DGB-Demonstration „Thüringen ohne Nazis“

17:00 – Kundgebung „Flüchtlingen helfen statt hetzen“ (vor der Sporthalle/Gymnasium, bis 18:00)

 

Weitere Informationen finden Sie hier:

https://www.facebook.com/events/238759389794305/?active_tab=highlights

 

 

 

 

„Zusammenleben in Deutschland“ – Erklärfilme zu den wichtigsten Grundlagen des Zusammenlebens in Deutschland

Die Heinrich-Böll-Stiftung stellt Animationsfilme zu den Themen Toleranz, Respekt, Teilhabe und Gleichberechtigung bereit, die wichtigsten Grundlagen des Zusammenlebens in Deutschland erklären. Die Filme sind auf Arabisch und Englisch, mit deutschen und französischen Untertiteln.

 

Toleranz, Respekt, Teilhabe und Gleichberechtigung – das sind aus Sicht der Heinrich-Böll-Stiftung vier der wichtigsten Versprechen, auf die Neuankömmlinge in Deutschland hoffen können. Drei Filme  sollen erklären wie in dem Land, das zu einem neuen Zuhause werden soll, gelebt wird.

„Es geht um Rechte und Normen, um Möglichkeiten, sich einzubringen, es geht um den Streit der Meinungen und dass dieser ausgehalten werden muss – und es geht um das Grundgesetz als verbindliche Grundlage unseres Zusammenlebens.“, so die Heinrich-Böll-Stiftung.

Hier kommen Sie zu den Filmen. Die Verbreitung der Filme ist kostenfrei und in der Community der Helfenden und der Geflüchteten ausdrücklich erwünscht.

Aufruf zur Demonstration „Für unsere Werte – mitmenschlich und demokratisch“ am 1. Februar in Schleiz

Demo Schleiz

Unter dem Motto „Für unsere Werte – mitmenschlich und demokratisch“ ruft für den 1. Februar ein überparteiliches Bündnis zur Demonstration gegen den angekündigten fremdenfeindlichen ThüGIDA -Aufmarsch in Schleiz auf. Das Bündnis wird vom Landrat Thomas Fügmann (CDU), dem Schleizer Bürgermeister Juergen K. Klimpke (SPD), den Landtagsabgeordneten Stefan Gruhner (CDU) und Ralf Kalich (Die Linke), Vertretern der evangelischen Kirche, Superintendent Ralf Peter Fuchs und Pfarrer Ingolf Scheibe-Winterberg, dem katholische Pfarrer Peter Spalteholz der DGB-Kreisvorsitzenden Ute Walther sowie Vertreter*innen aller Stadtrats- und Kreistagsfraktionen, christlicher Kirchen und andere gesellschaftliche Gruppen unterstützt und will ein Zeichen für die Werte des Grundgesetzes, für mitmenschliches und demokratisches Handeln setzen. Darüber hinaus ist beabsichtigt, am 1. Februar mit einer ökumenischen Andacht in der Schleizer Stadtkirche zu begegnen. ThüGIDA wurde zuletzt durch das Thüringer Innenministerium als rechtsextrem eingestuft und wird aktuell vom Thüringer Verfassungsschutz beobachtet.

Die Partnerschaft für Demokratie unterstützt den Aufruf des Schleizer Bündnisses „Für unsere Werte – mitmenschlich und demokratisch“

Hier der Aufruf im Wortlaut:

„Ziel ist es, anlässlich des Demonstrationsaufrufes der fremdenfeindlichen Thügida für den 1. Februar in Schleiz, ein Bündnis unter dem Motto „Für unsere Werte – mitmenschlich und demokratisch“ ins Leben zu rufen und entsprechende Aktivitäten zu koordinieren.

Thügida wurde zuletzt durch das Thüringer Innenministerium als rechtsextrem eingestuft und wird aktuell vom Thüringer Verfassungsschutz beobachtet.

Zu dem Bündnis sollen Vertreter aller Stadtrats- und Kreistagsfraktionen sowie weiterer christlicher Kirchen und andere gesellschaftliche Gruppen eingeladen werden. Das Bündnis soll ein überparteiliches Zeichen für die Werte des Grundgesetzes, für mitmenschliches und demokratisches Handeln setzen.

Humanität zu üben und zugleich konstruktive Kritik zu formulieren, seien zwei Seiten einer Medaille, sind sich alle Beteiligten einig. Einfachen, rechtsextremen und populistischen Antworten soll jedoch eine klare Absage erteilt werden.

Darüber hinaus ist beabsichtigt, am 1. Februar mit einer ökumenischen Andacht in der Schleizer Stadtkirche und einem Demonstrationszug mit Kundgebung vor dem Landratsamt den rechtsextremen Parolen der Thügida zu begegnen.“

 

Willkommensfest in Pößneck am 16. Januar

Die Initiative Flüchtlingshilfe läd für den 16.01. ab 16.00 Uhr zum Willkommensfest für in Pößneck und Umgebung lebende Asylsuchende ein. Das Willkommensfest wird in den kürzlich bezogenen Räumlichkeiten in der Wohlfahrtsstraße 3 stattfinden. Schirmherr der Veranstaltung ist der DGB Kreisverband Saale-Orla.

Zukünftig soll in den Räumlichkeiten in der Wohlfahrtsstraße eine zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge mit einer Kleiderkammer, Veranstaltungsräumen und einem Beratungsbüro entstehen. Die Organisatoren hoffen wie schon bei der ersten Auflage auf einen regen Zuspruch aus der Bevölkerung.

Ausdrücklich erwünscht ist das Mitbringen von Speisen und Getränken, wobei aus Rücksicht aufdie muslimischen Flüchtlinge auf Schweinefleisch und Alkohol verzichtet werden soll. Daneben hofft die Flüchtlingsinitiative Pößneck darauf, neue Unterstützer für die eigene Arbeit zu gewinnen.

„Über jede noch so kleine Hilfe sind wir sehr dankbar“, erklärt der Sprecher der Flüchtlingsinitiative Steve Richter  mit Blick auf den unvermindert anhaltenden Zuzug von Schutzsuchenden. Auch würden für die Ausstattung von Wohnungen weiterhin Spenden benötigt. „Besonders dringend brauchen wir Töpfe und Pfannen, aber auch Betten, insbesondere Kinderbetten“, beschreibt Richter den Bedarf.“ OTZ 12.01.2016

 

 

© 2015 Bernd Wachtmeister

Rückschau: Lokaler Aktionsplan in Pößneck und im Saale­-Orla-­­Kreis

Als Rückschau und Reflexion auf den Lokalen Aktionsplan in Pößneck und im Saale-Orla-Kreis (LAP) präsentieren wir hier ein dokumentarisches Filmportrait. Vier Menschen, die stellvertretend für die Zielgruppen des LAP stehen, wurden in ihrer Lebenswirklichkeit innerhalb der regionalen Strukturen begleitet. Sie berichten im Film aus einer jeweils ganz individuellen Sicht von der Notwendigkeit, den Erfahrungen und den Wirkungen des LAP.

Vortrag „20 Wochen deutsche Geschichte“

In Ergänzung zur Mai-Ausstellung „Die geheime Staatspolizei im NS-Gau Thüringen 1933-1945“ laden der SPD-Ortsverein Pößneck, der „Lokale Aktionsplan für Vielfalt in Pößneck“ und der DGB des SOK am

Donnerstag, den 2. Dezember 2010 um 19.00 Uhr

in den Ratssaal des Pößnecker Rathauses

zum Vortrag „20 Wochen deutsche Geschichte“ ein.

Darin untersucht Jürgen K. Klimpke (Kreisheimatpfleger des SOK) Ereignisse von der Reichstagswahl 1933 bis zum 7. Juli 1933 auf dem Territorium des heutigen Saale-Orla-Kreises. Damals übernahmen die Nationalsozialisten demokratisch legitimiert die Macht und schufen innerhalb von nur 124 Tagen die menschenverachtendste Diktatur der deutschen Geschichte. In diesen 20 Wochen veränderte sich das gesamte öffentliche Leben dramatisch und mit einer unglaublichen Schnelligkeit. In nahezu allen seinen Bereichen wurden bis dahin geltende Normen ausgetauscht, griffen Unmenschlichkeit, Willkür und Rassenwahn um sich und tausende bisher unauffällige Bürger, auch an Orla und Saale machten dabei willig mit. Der Vortrag zeigt anhand zahlreicher regionaler Beispiele, wie die Nationalsozialisten arbeiteten und wie viele normale Menschen nicht nur zum Mitläufer wurden, sondern viel zu häufig sogar selbst die Initiative ergriffen, Täter wurden. Ein bewegendes Stück Zeitgeschichte lädt ein zur Diskussion und zur Auseinandersetzung.

Marc Roßner – SPD Ortsvereinsvorsitzender

Kerstin Barbara Roscher – Lokaler Aktionsplan

Ute Walther – DGB-Kreisvorsitzende

SPD Ortsverein Pößneck

Vorsitzender Marc Roßner Tel.: 01795062616

Web: www.spd-poessneck.de

Mail: mail@spd-poessneck.de

Gemeinsam Demokratie entwickeln – Bürgerbündnis für unsere Region

Nachhaltigkeitsprojekt für bürgerschaftliches Engagement für Demokratie und Weltoffenheit sowie gegen Rechtsextremismus und Gewalt

Kontakt und Koordination: Béatrice Preiser * Telefon: 03647/428240 * Telefax: 03647/428239 * Mobil: 0160/3001797 * E-Mail: beatrice.preiser@email.de

Sehr geehrte Damen und Herren,liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter, liebe Interessierte und Freunde,

mit Ihrer Teilnahme am Auftakttreffen, Ihrer Mitarbeit und auch Ihrer Mitwirkung bei der Auswertungsumfrage haben Sie einen wichtigen Beitrag zu unserem Projekt geleistet. Je mehr Menschen sich konstruktiv an diesem offenen Prozess beteiligen, umso besser. Ich bin sehr froh, dass sich die meisten Teilnehmer der Auftaktveranstaltung auch an der Umfrage beteiligt haben. Dies erleichtert uns die Vorbereitungen, so dass wir genau da anknüpfen können, wo es sinnvoll ist.

Ich möchte Sie an unseren nächsten Termin erinnern und Ihnen gleichzeitig einige Informationen zusenden, um den Einstieg in das nächste Treffen zu erleichtern. Dieses ist – wie vereinbart – am kommenden

Mittwoch, dem 24. November 2010 um 18.00 Uhr

im Vortragsraum des Gymnasiums „Am Weißen Turm“

(Schulgebäude am Schillerplatz).

Folgende Punkte stehen am Mittwoch auf dem Programm:

  • Vorstellung der Teilnehmer
  • Rückblick – kurze Auswertung des letzten Treffens
  • Zeitplanung für die Weiterarbeit
  • Struktur des Bündnisses, ggf. Verabredungen hierzu
  • Konkretisierung der Zielsetzung des Bündnisses, ggf. Verabredungen hierzu

Ich würde mich freuen, wenn Sie wieder dabei sind.

Viele Grüsse,

Béatrice Preiser

Horizonte erweitern – Vielfalt erleben

„Ausländer raus“, „Nehmen uns die Arbeitsplätze weg“, „Die machen nur Ärger“ – solche und ähnliche Parolen kommen uns zu Ohren, wenn wir vielerorts durch die Straßen gehen – gerade auch in Pößneck. Aus diesem Grund unterstützt die Stadt Pößneck mit dem „Lokalen Aktionsplan“ Projekte, die sich gegen derartige Vorurteile und Rechtsextremismus einsetzen. Der „Lokale Aktionsplan für Vielfalt in Pößneck“ wird durch das Bundesprogramm „Vielfalt tut gut“ des BMFSFJ gefördert. In diesem Rahmen wurde auch das Projekt der Volkssolidarität Pößneck e.V. „Horizonte erweitern – Vielfalt erleben“ gefördert, das Motto begleitete die Mädchen des Mädchenheims Pößneck im Jahr 2010. In enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Rumänien der Evangelischen Kirchgemeinden Neudietendorf – Ingersleben, geleitet von Albrecht Feige, setzten sie sich mit den Lebensverhältnissen in Rumänien auseinander. Höhepunkt sollte eine zehntägige Fahrt nach Rumänien sein, während der sie einen Hilfstransport begleiten und mit helfen würden. Im Voraus erläuterte Feige anhand von Dias, wie die Menschen leben, mit ihrer Armut umgehen, wie sie helfen und wie sie Freude und Leid teilen. Im Sommer kam er mit zwei rumänischen Frauen aus Balanu (Retezatgebirge) nach Pößneck, um die gemeinsame Zeit im Oktober vorzubereiten. „Gehen die Kinder dort auch zur Schule?“, „Wovon leben die Leute dort?“, „Kommen die Bären dort auch ins Dorf?“ – solche und viele weitere Fragen stellten die Mädchen bei der Vorbereitung auf die Fahrt im Oktober.

Mit dieser Neugier im Bauch starteten sie am 14.10.2010, um Feige und sein Team während des Hilfstransportes für 10 Tage zu begleiten, zu unterstützen und die Menschen in Rumänien kennen zu lernen. Seit 13 Jahren fährt Feige in seinem Urlaub mit Helfern im Frühling und im Herbst in dieses Land, um mit Menschen Möglichkeiten der Selbsthilfe zu planen, zu organisieren und durchzuführen. Drei Orte besucht der Hilfstransport in dieser Zeit – Orte die von teils existenzieller Armut geprägt sind und zeigen, wie die Menschen auf besondere Weise miteinander umgehen.

Reiche Erfahrungen machten diese Mädchen in Balanu, wo sie die nächsten sechs Tage im Dorfgemeinschaftshaus verbrachten. Seit fünf Jahren finanziert der Arbeitskreis den Bau dieses Hauses und richtet es ein. Sämtliche Bauelemente und die Installationsmaterialien stammen aus Deutschland. Noch am ersten Abend nach der Ankunft wurden die Hilfsgüter ausgepackt und an ihren Bestimmungsort gebracht. Cristina Leon, eine junge Frau, die die Hilfe vor Ort organisiert, würde später alles an die einzelnen Familien im Dorf verteilen.

Während einige Helfer im Haus die Elektro- und Wasserleitungen komplettieren, Schränke montieren, Fliesen verfugen usw. ist auf jeder Fahrt die Beschäftigung mit den Kindern des Dorfes wichtiger Bestandteil. Also ging es gleich am ersten Nachmittag draußen auf der Dorfstraße los, wo die Kleinen bereits voller Spannung warteten. Die Jugendlichen aus Pößneck ließen sofort alle möglichen Vorurteile, Barrikaden und alle Skepsis hinter sich – Mitspielen war angesagt! Die Zuneigung wuchs auf beiden Seiten und ziemlich schnell hatte jedes Mädchen „ihr“ Kind gefunden. Antrada, Raul, Sami und wie sie alle heißen, waren fortan herzlich willkommen!

Die nächsten Tage waren mit Arbeit gefüllt. Bastelarbeiten wurden als Vorlagen vorbereitet, Material bereitgestellt, Äpfel für die Kleinen geschnitten, Brote für die Helfer des Arbeitskreises belegt, eine Schüssel mit Wasser gefüllt – und dann ging es los: Die Kinder kamen in das neu gebaute Haus, wuschen sich die Hände – was dort nicht selbstverständlich ist – und setzten sich an die Tische, alles war liebevoll vorbereitet. Die nächsten 2 bis 3 Stunden gehörten ihnen. Jedes der Mädchen bastelte mit 2 oder 3 Kids Zuckertüten und Körbchen, sie malten, aßen, lachten, probierten Stempel aus und zeigten, wie die verschiedenen Materialien benutzt werden. Was für Kinder in Deutschland selbstverständlich ist, müssen diese Kinder erst lernen. Das verstanden die Jugendlichen sehr schnell und waren gern bereit, zu helfen. „Die Kinder haben manchmal ungewaschen gerochen, aber sie können ja nichts dafür!“ Und schon hatten sie „ihre“ Kinder wieder im Arm.

Zwischendurch kam noch ein Lkw, der weitere Hilfsgüter nach Balanu brachte. Möbel, Lebensmittel, Medikamente, Schuhe, Schulmaterial und vieles mehr wechselten wieder einmal den Besitzer. Doch Zeit mit den Kindern wollten sich die Mädchen jedes Mal gern nehmen.

Natürlich stand auch der Besuch in Kindergarten und Grundschule mit auf dem Plan: „Wie funktioniert das hier in Balanu, zwischen all den Hütten?“, „Wo gehen sie zur Schule, wenn sie die 4. Klasse beendet haben?“, „Wo machen diese Kinder Hausaufgaben?“, „Haben diese Kinder einen Wecker?“ fragten sie Cristina an einem Abend. Sie versuchte zu erklären – und die Mädchen konnten sich nun selbst überzeugen.

Am letzten Tag in Balanu sollte es ein Kinderfest geben. Das musste gründlich vorbereitet werden: Zusammen bastelte Klein und Groß bunte Girlanden und lange Papierschlangen. Als die Kinder wieder nach Hause gehen mussten, schmückten die Mädchen mit den Basteleien den Raum und kochten mit Gabi, der Köchin des Vereins „Pro-Balanu“, das Essen für die Kinder- und Armenspeisung. Jede Woche erhalten sie durch Spenden des Arbeitskreises wenigstens eine warme und gesunde Mahlzeit. Strahlend betraten am nächsten Tag die Kinder mit ihren Eltern, mit alten und behinderten Menschen den Raum. Auch Victoria, 64 Jahre alt, war dabei. Sie kann weder sprechen noch hören und wird von Jahr zu Jahr kleiner. „Die war so süß und hat immer so und so gezeigt!“, erzählte ein Mädchen wohlwollend lachend und begeistert. Es gab keine Distanz, keine Mauern und kein „bin ich nicht cool“ – Gehabe, auch wenn diese Menschen nie gelernt haben, mit Besteck zu essen, was bei dieser Mahlzeit im Haus immer eine besondere Herausforderung darstellt. „Da kann ich nicht mitessen – das schaff` ich nicht. Kann ich bitte beim Austeilen helfen?“ – für einige Mädchen war es schwer, die Not dieser Menschen so hautnah mitzuerleben. Und doch fand jede ihren Platz und es bereitete allen Freude mit zu helfen.

„Aber wie geht das, so zu leben?“, „Wie kriegen die Frauen hier ihre Kinder, wenn kein Arzt und kein Auto da ist?“, „Wovon leben diese Menschen, wenn sie kein Geld haben?“ Diese und viele andere Fragen kreisten in den Köpfen der Mädchen umher. In Gesprächsrunden übersetzte Feige ihre Fragen ins Rumänische und Cristina antwortete den Mädchen und erzählte von dem Alltag in Balanu, in dem das Überleben im Winter ohne die Hilfe aus Deutschland durch viele Spender immer noch ein Überlebenskampf wäre. Doch auch der Arbeitskreis kann nicht helfen, wenn ein Bewohner beim Baumfällen vom Baum erschlagen wird; wenn ein Kind schwer erkrankt und die Ärzte einfach nichts tun; wenn keine Sozialhilfe gezahlt wird, weil der Staat für Balanu kein Geld hat – und das ist schwer zu verdauen!

Viel zu schnell vergingen diese Tage. Ein letztes Mal umarmte man sich – und schon hieß es „La revedere“ – auf Wiedersehen. Schwer fiel das Verabschieden mit dem Wissen, dass die Kinder in ihre Hütten gehen, wo manchmal 12 Leute auf 12 Quadratmetern leben. Die Mädchen haben gesehen, dass durch die Ritzen dieser Holzhütten Wind, Regen und Kälte durchdringt. Sie haben erlebt, dass die Kleinen zu Hause oft nicht auf Zuwendung hoffen können. Sie haben erfahren, dass es in einem Teil der Hütten weder Strom noch fließendes Wasser gibt. Ihnen wurde klar, dass keine Hütte groß genug ist, um jedem Kind einen eigenen Schlafplatz zu bieten.

Und was soll das alles für uns in Deutschland, in Pößneck, gegen Rechtsextremismus bringen? Diese Frage sollten wir wohl anders herum stellen: Was haben die Jugendlichen dort für sich persönlich erfahren? Wie haben sie ihre Zeit mit den Kindern und behinderten Menschen verbracht? Warum haben sie Cristina so viele detaillierte und interessierte Fragen gestellt? Wieso haben sie sich mit Herz und Verstand in die Sache hineingekniet und diesen Kindern soviel Freude geschenkt?

Dieses Miteinander hat den Mädchen neue Horizonte eröffnet. Vielfalt zeigt sich nicht nur in unterschiedlichen Hautfarben und Kulturen, sondern besonders in Momenten der Begegnung. „Die Mädchen sind verändert wieder gekommen“ – das sagte eine Mitarbeiterin des Mädchenheims, die die Jugendlichen in Pößneck empfing. Und diese veränderten Mädchen gehen in ihre Kreise in Pößneck und erzählen, was sie erlebt haben. Dazu brauchen sie keine Ermunterung, kein Seminar, keine Anleitung. Dieses Erleben hat sie zum Nachdenken angeregt. Und das werden ihre Freunde merken.

Lydia Feige, Dipl. – Soz.Päd. (BA)

Weitere Informationen: www.ak-rumaenien.de