…betrifft Schützenhaus

Pößneck bleibt Aufmarschgebiet der Rechten

Flagge auf Halbmast
Flagge auf Halbmast

Auch nach dem Tod Jürgen Riegers im Oktober 2009 bleibt das Schützenhaus in der Hand rechtsextremer Kreise. Wie die JournalistInnen Andrea Röpke und Maik Baumgärtner berichteten, steht bis jetzt fest, dass die Immobile des Schützenhauses von Rieger quasi treuhänderisch verwaltet wurde. Rieger war zudem Verwalter der „Wilhelm Tietjen Stiftung Ltd.“, einer Stiftung für Fertilisation, deren Vermögen auf über eine Millionen Euro geschätzt wird.

Der kinderlose ehemalige Lehrer Wilhelm Tietjen (1903-2002) vererbte sein Vermögen der rassistischen „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung e. V.“ (GfbAEV) und setzte Rieger als Testamentsvollstrecker ein. Seitdem war Rieger Geschäftsführer der Wilhelm Tietjen Stiftung und Vorstandsmitglied GfbAEV zugleich. Dies wurde bei der Durchsicht der von Rieger hinterlassenen Papiere festgestellt. Zwar ist die rassistische GfbAEV noch nicht formal als Erbe der Tietjen-Stiftung eingetragen, aber der in Schleswig-Holstein ansässige Verein gilt als zukünftiger Eigentümer des Schützenhauses und einer weiteren Immobilie in Niedersachsen.

Es werden also nicht, wie eigentlich erwartet worden war, die vier Kinder des NPD-Anwalts die Immobilien erben, sondern eben jener rassistische Verein, der im Januar dieses Jahres zudem einen neuen Vorsitzenden wählen musste. Dabei handelt es sich um den bekannten Neonazi Marc Müller, der innerhalb der von Jürgen Rieger gegründeten Artgemeinschaft („Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung“) eine wichtige Rolle einnahm und als dessen Vertrauter galt. Müller und dessen Ehefrau Petra, die eine Mitbegründerin des NPD-Ablegers „Ring nationaler Frauen“ ist, waren bereits in der verbotenen „Wiking-Jugend“ sowie der seit 2009 ebenfalls verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ aktiv.

Das neue Straßenschild
Das neue Straßenschild

So ist es auch nicht verwunderlich, dass am 6. Februar ein Rechtsrock-Konzert im Schützenhaus stattfinden konnte, zu dem Andre Kapke, einer der führenden Neonazis in Thüringen, per SMS ausgewählte Gäste geladen hatte. Aus verlässlichen Quellen verlautbarte, dass bis zu 200 Personen ins Schützenhaus gekommen waren, um vermutlich drei Bands aus der rechten Musikszene zu lauschen.

Auch am 27. Februar sollte erneut ein Konzert im Schützenhaus stattfinden, das allerdings durch das Oberverwaltungsgericht in Weimar verhindert werden konnte. Wie die OTZ berichtete, hat das OVG Weimar ein weitgehendes Nutzungsverbot für Veranstaltungen verhängt, da das Haus erhebliche Brandschutzmängel aufweist. Auch an diesem Wochenende sollten wieder knapp 200 Neonazis anreisen.

Initiative gegen das Vergessen weiter aktiv

Gegen diese nicht enden wollenden Umtriebe wurde in der vergangenen Woche jedoch ein zivilgesellschaftliches Zeichen gesetzt. In einer Gedenkveranstaltung in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchgemeinde Pößneck gedachte die parteiunabhängige Initiative Aktionsbündnis Courage (ABC) gemeinsam mit zahlreichen interessierten Bürgern der Stadt den ermordeten drei Mitgliedern der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, Sophie und Hans Scholl sowie Christoph Probst. Nach einem Friedensgebet und einem Mahngang durch die Geschwister-Scholl-Straße wurde am Schützenhaus das Straßenschild jener Straße, die den Namen der mutigen Geschwister trägt, symbolisch erneuert. Dieses Schild soll daran erinnern, dass im Gedenken an die selbstlose Tat der Ermordeten, Engagement und Wachsamkeit notwendig sind, um Vielfalt und Toleranz in einer Gesellschaft zu sichern, die fern von Rassismus und Intoleranz bleiben möchte.

Plakatwand am Schützenhaus stärkt die "Toleranzgrenze" (Bild: ABC)
Plakatwand am Schützenhaus stärkt die „Toleranzgrenze“ (Bild: ABC)