Auf die Plätze, fertig, bunt! – Impressionen

Jenas Oberbrügermeister Dr. Schröter und Pößnecks Bügermeister Modde ziehen die Toleranzgrenze
Jenas Oberbrügermeister Dr. Schröter und Pößnecks Bügermeister Modde ziehen die Toleranzgrenze

Auf die Plätze, fertig, bunt! – am 12.September beteiligten sich über 40 Vereine, Institutionen, Firmen, Parteien und andere Akteure mit vielfältigen Aktionen am Demokratiefest. Das Konzept der Veranstaltung ruhte auf vier Säulen.

Das Pößnecker Bündnis für Vielfalt, Toleranz und Demokratie organisierte für den 12. September die Veranstaltung „Auf die Plätze, fertig, bunt!“ Akteure aus ganz Thüringen engagierten sich in den vier Säulen dieses Festes für Demokratie, das in unmittelbarer Nähe zur Jüdeweiner Kirche stattfand. Die vier miteinander verbundenen Säulen bestanden aus der Meile der Demokratie, die um 10.00 Uhr begann und einen Bogen zwischen Neustädterstraße und Ernst-Thälmann-Straße beschrieb. Die vielfältigen Angebote reichten von Infoständen, einer aufblasbarer Kirche über Straßenmusik, Tanz- und Samba-Gruppen, Luftballonaktion, Bastelstraße und Hüpfburgen bis zu Ansprachen von Prominenten aus Kirche und Politik sowie anderen gesellschaftlichen Bereichen.

Das Friedensgebet, welches um 17.00 Uhr begann, stellte die zweite Säule dar. Während des Friedengebetes enthüllte die Landesbischöfin Frau Junkermann ein Epitaph für die Opfer der Judenverfolgung aus Pößneck. Danach folgte ein Posaunengottesdienst, der kurzfristig als Umzug vor das Schützenhaus zog. Den Abschluss der Veranstaltung bildete in der Jüdeweiner Kirche eine Taizè-Andacht, die gegen 22.00 Uhr endete.

Eingebunden in die vielfältigen Aktivitäten war eine Banneraktion, die dritte Säule. Auf diese Weise hat Pößneck weithin sichtbar Position für Demokratie und gegen Rechtsextremismus bezogen. Die Banner wurden schon im Vorfeld des 12.09. an Schulen und Jugendeinrichtungen vorbereitet: aus Pößneck das Gymnasium am Weißen Turm, Mehrgenerationenhaus/Freizeitzentrum. Aus Jena das Ernst-Abbe-Gymnasium, die Jena-Plan-Schule, die Freie Waldorfschule und die Staatliche Berufsbildende für Gesundheit und Soziales. Die Banner wurden dann vor dem 12. September an den Gebäuden rund um den Viehmarkt platziert, so dass sie gut sichtbar waren, auch wenn sich der Veranstaltungsort des Nazifestes veränderte.

Eine weitere Unterstützung erfuhr die bunte Veranstaltung durch die vierte Säule, die Aktion „Wi(e)dersetzen“, einer Protestform der thüringenweiten Vernetzung gegen Rechtsextremismus, deren Ziel es ist rechtsextremistische Aktivitäten zu verhindern.

Viele Familien nutzten das Angebot der "Meile der Demokratie"
Viele Familien nutzten das Angebot der „Meile der Demokratie“

Über 40 Akteure/Innen gestalteten mit uns die Meile der Demokratie für ein buntes und vielfältiges Pößneck. Für die Jüngsten unter den Besuchern stellten der Budo SV Nippon Schleiz, die Kreisjugend der Evangelischen Kirche, die Saale-Orla Kreissportjugend und das Mehrgenerationenhaus/Freizeitzentrum Pößneck Hüpfburgen zur Verfügung. Gehüpft werden konnte auch auf dem Riesentrampolin der Volkssolidarität, der Verein Lese-Zeichen unterhielt mit dem Märchenerzähler Andreas vom Rotenbarth und für vielfältige Bastel- und Mitmachangebote, für Spiele aller Art (Jonglieren, Kubb, Tastgarten, Falten, T-Shirt und Tuchgestaltung, Buttonmaschine) sorgten das Bildungswerk BLITZ e.V., die „Arbeit mit Kindern“, der Landesjugendkonvent und Kirchenkreissozialarbeit der Evangelischen Kirche, der Jugendförderverein Saalfeld e.V., und das Mehrgenerationenhaus/Freizeitzentrum Pößneck.

Für die erwachsenen Teilnehmer bot die Veranstaltung ein vielfältiges Informationsangebot aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Zum Thema Rechtsextremismus informierten das ABC Pößneck, das Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus Jena der Lokale Aktionsplan Pößneck, das Mobile Team des Bildungswerks BLITZ e.V. und das Netzwerk für Demokratie und Zivilcourage Thüringen. Ebenfalls brachten sich zum eigenen Sachgebiet das Frauenzentrum Brennnessel Erfurt, der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Evangelische Kirche Mitteldeutschland zum Thema Friedensarbeit und Freiwilligendiensten, die Arbeitsloseninitiative Menschen ohne bezahlte Beschäftigung (MobB e.V.) aus Jena, die Landesseniorenvertretung Thüringen, der Verein Pößneck attraktiver und der Weiße Ring aus Neustadt/Orla ein. Mobit e.V. zeigte zu dem in einer Ausstellung Bilder von Orten rechtsextremistischer Straftaten. Ebenso unterstützten uns die Parteien Bündnis 90/Die Grünen, SPD und Die Linke mit Informationsständen.

Jenas OB Dr. Schröter, Landrat Roßner und Bürgermeister Modde
Jenas OB Dr. Schröter, Landrat Roßner und Bürgermeister Modde

Als prominente Parteivertreter und Redner auf der Bühne durften wir Astrid Rothe-Beinlich (Bündnis 90/Die Grünen), Christiane Lieberknecht (CDU), Christoph Matschie (SPD) und Bodo Ramelow (Die Linke) begrüßen. Ihnen schloss sich der Jenaer Oberbürgermeister Albrecht Schröter an. Mit einem Redebeitrag brachte sich auch Torsten Wolf vom DGB Ostthüringen und der Geschäftsführer des Lese-Zeichen e.V. Martin Straub ein.

Als Einzelakteure durften wir Irmela Mensah-Schramm begrüßen, die zeitgleich im Gymnasium am Weißen Turm ihre Ausstellung „Hass vernichtet“ präsentierte sowie Bildhauerin Karien Vervoort, die ein breites Mitmachangebot stellte.

Jugendpfarrer Joachim Preiser hatte am Nachmittag folgende Gäste zum Demokratiepodium geladen: Landolf Scherzer, Landrat Frank Rossner, Bürgermeister Michael Modde, Landesjugendpfarrerin Dorothee Land und JG-Ranis Mitglied David Eckardt.

Für sportliche Mitmachangebote in allen Altersklassen sorgen der Jenaer Radverein mit 2 Ergometern für „Topspeed gegen Rechts“. Hierbei wurde eine Spitzengeschwindigkeit von 56 km/h erreicht. Weiterhin der Kletterfelsen und die Streetsoccer-Anlage des Saale-Orla Kreissportbundes sowie ein Capoeira-Workshop der Kreisjugend der Evangelischen Kirche. Getanzt wird auch auf der Bühne, wo die Tanzgruppe des Saale-Orla Kreissportbundes ihr Können zeigt.

Für die musikalische Untermalung sorgte der Gospelchor der Evangelischen Kirchgemeinde Neustadt/Orla, die Samba-Trommler „Escola Popular“ der Evangelischen Kirchgemeinde Pößneck, die Liedermacher Strom und Wasser, die von der JG Stadtmitte Jena vermittelt wurden so wie Karma Connection aus Berlin.

Um das leibliche Wohl aller Gäste kümmern sich an diesem Tag die Jugendbildungsstätte Hütten des Bildungswerk BLITZ e.V., das Christliche Jugenddorfwerk, die Gruppe Toleranz. Aktion. Mensch. aus Neustadt/Orla, die Volksküche Weimar sowie die Fleischerein Taudte und Wenzel aus Pößneck.

Moderator Frank Hofmann und Autor Holger Kulick
Moderator Frank Hofmann und Autor Holger Kulick

Mehr als 600 Menschen schlossen sich der thüringenweiten Vernetzung gegen Rechtsextremismus, die mit der Aktion „Wi(e)dersetzen“ friedlich und gewaltfrei das Nazifest zu ver- und behindern suchten, an. Dadurch erreichten nur 470 Rechtsextreme ihr Konzert und hatten dabei wenig Spaß. Durch das beharrliche zivilgesellschaftliche Engagement der letzten Jahre verliert das so genannte Fest der Völker spürbar an Attraktivität innerhalb der rechtsextremen Szene. „Es ist der Jenaer NPD nicht annähernd gelungen, so viele Besucher zu mobilisieren, wie angestrebt. Das sehen wir als Erfolg der vielfältigen Protestbewegung an,“ so Luise Zimmermann, eine der SprecherInnen des Jenaer Aktionsnetzwerks. „Der heutige Tag zeigt, dass ziviler Ungehorsam gegen Nazifeste nicht nur legitim, sondern auch erfolgreich ist.“

Den Abschluss dieses ereignisreichen Tages bildete das Friedensgebet in der Jüdeweiner Kirche. Landesbischöfin Frau Ilse Junkermann war bereits vor 17 Uhr nach Pößneck gekommen, um sich bei einem Spaziergang über die Meile der Demokratie ein Bild von den Aktivitäten des Tages zu machen. Etwa 220 Besucher waren zum Gebet gekommen, zu welchem Frau Junkermann die Predigt hielt und ein Epitaph für die Opfer der Shoah in Pößneck enthüllte. Nach der Fürbitte entschlossen sich alle Anwesenden, den geplanten Posaunengottesdienst in der Stadtkirche durchzuführen. Angeführt von den Samba-Trommlern „Escola Popular“ zogen alle Besucher dorthin, wo der Posaunenchor der Landeskirchlichen Gemeinschaft Pößneck sein Können zum Besten gab. Hier folgte dann auch noch das abschließende Taizè-Gebet.

Insgesamt haben wir ein buntes, friedliches und fröhliches Fest der Gemeinsamkeit gefeiert. Zudem haben mehr als 1000 BürgerInnen die Pößnekcer Erklärung unterschrieben. Durch das beharrliche gesellschaftliche Engagement so vieler Thüringer verliert das sogenannte „Fest der Völker“ spürbar an Attraktivität. Gemeinschaft tut uns gut!

Die Unterstützer: