Realisierte Projekte

Förderjahr 2018

  •  „Erzählcafé“ (Diakonieverein Orlatal e.V.)

Diese Veranstaltungen sind gefüllt mit Gesprächen und anschließender Diskussionsrunde, wie sich eine Familie aus Syrien, nun nach über 3-jährigem Aufenthalt in Neustadt/Orla und Umgebung integriert fühlt.
Diese Familie berichtete bereits vor 2 Jahren über ihre Erlebnisse bei der Flucht, sowie Ankunft und Aufnahme hier in Deutschland und in Neustadt.

Ziel ist es, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund ins Gespräch zu bringen, um Wünsche oder Anregungen zu erfahren, wie Integration noch besser funktionieren kann.
Die Diskussion wird dokumentiert und der Ergebnisbericht an entsprechende Stellen weitergeleitet, zum Beispiel an das Landratsamt Saale-Orla-Kreis.

 

  • „Theatertreff bunterkund“ (Freizeitzentrum Pößneck e.V.)

Prinzip des Theatertreffs bunterkund ist, jeden Menschen ob behindert oder nicht, ob gesund oder krank, alt oder jung, am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Das Ziel des Theatertreffs bunterkund ist es, den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen und ihm dabei zu unterstützen sich eine eigene Meinung zu bilden, sie zu hinterfragen und zu reflektieren.

Der Theatertreff besteht aus vier Gruppen:

Das „Schwarze Theater – Wunderwelten“ besteht aus Kindern und Jugendlichen im Alter von 8 – 14 (ein Kind mit Körperbehinderung) Jahren. Die Choreografin ist sehbehindert.

Die Theatergruppe „Konfetti“ ist eine Schülertheatergruppe (13 – 16 Jahre).

Die Gruppe „Butterblümchen“ besteht aus Menschen mit körperlich und geistigen Behinderungen und nicht behinderten Kindern.

Die Gruppe „Tratschweiber“ besteht aus erwachsenen Personen.

 

  • Schulkonzept zur Fotoausstellung „Campanile mit Landschaft“ von Dr. Spiegler (Bildungswerk Blitz e.V.)

Dieser Projektantrag stellt eine Ergänzung zu einem bereits im Januar dieses Jahres durchgeführten Projektes dar.

Es wurde entwickelt, um diese höchstaktuellen Thematiken der aussagkräftigen Bilder auch Jugendlichen zugänglich zu machen. Die Ausstellung im Januar im Landratsamt des Saale-Orla-Kreises wurde nur von sehr wenigen Kindern und Jugendlichen besucht.

Die Fotografien des Künstlers Aribert Janus Spiegler zeigen eine neue, ungewohnte Sicht auf den Glockenturm am Ettersberg. Als Zentrum einer großen Mahnmalanlage wurde er 1958 errichtet, um an die Verbrechen im Konzentrationslager Buchenwald zu erinnern und die deutschen kommunistischen Widerstandskämpfer zu ehren. In seinen Fotografien setzt Spiegler bewusst bekannte Orte der „Hochkultur“ in Erfurt und Weimar in bildliche Beziehung zu diesem Mahnmal.
Ziel der Ausstellung ist es, den Teilnehmenden (Schüler*innen der 10. Klassen des Orlatalgymnasiums) die Möglichkeit zu geben, sich die Ausstellung und deren Inhalt zu erschließen und die gewonnenen Eindrücke und Erkenntnisse in Gruppenarbeit multimedial umzusetzen.
Alle Inhalte werden abschließend im Plenum präsentiert und diskutiert sowie der Transfer durch die Unterstützung von Begleitpersonen (Sozialpädagogen, Herrn Spiegler, PfD SOK) transferiert, d.h. den Inhalt in Beziehung zu aktuellen Themen wie gesellschaftliche Verantwortung, Zivilcourage, Menschenrechte, Demokratie und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gesetzt.

 

  • Ferien- und Freizeitgestaltung im ländlichen Raum (SV Blau-Weiß ’90 Neustadt (Orla) e.V.)

Gemeinsam führten die beiden Vereine SV Blau Weiß 90‘ Neustadt (Orla) e.V. und FC Chemie Triptis e.V. eine Fußball-Ferienfreizeit für Kinder und Jugendliche im Alter von 6 – 14 Jahren durch. Das Camp fand vom 09.07.18 – 13.07.18 sowie vom 16.07.18  – 20.07.18 jeweils von 08.00 Uhr – 17.00 Uhr statt.

Vormittags fanden sportliche Aktivitäten, Spiele und Wettkämpfe statt, am Nachmittag verschiedene Ausflüge sowie Erholungsphasen.

Zentrales Thema bei allen Aktivitäten waren Respekt, Toleranz und Demokratieverständnis. Durch die Teilnahme von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund wurde den Teilnehmern die Möglichkeit gegeben, interkulturelle Kompetenzen zu erwerben und direkt mit den neuen Mitbürgern in Kontakt zu treten. Jeder Teilnehmer bekam Sportkleidung zur Verfügung gestellt, die symbolisch zum Einheitsgedanken der Gruppe beitrug. Bei Besuchen verschiedener Vereine erfuhren die Kinder und Jugendlichen mehr über ehrenamtliche Arbeit. Die gemeinsamen Erlebnisse und der Austausch in der Gruppe förderten die soziale Kompetenz der Teilnehmer und trugen zur Bereicherung der persönlichen Lebenswelt bei.

Gemeinsame Kommunikations- und Verhaltensregeln, die es zu Beginn der Freizeit zu erarbeiten galt, wurden von den Teilnehmern während der Ferienfreizeit umgesetzt, überprüft und gegebenenfalls angepasst. Der Fokus lag auch hier auf Respekt, Offenheit, Toleranz und Akzeptanz untereinander. Mithilfe von erlebnispädagogischen Methoden wurden diese Themen bearbeitet und prägten sich so bei den Teilnehmern besser ein und ermöglichten einen Transfer in alltägliche Situationen der Teilnehmer. Am Ende eines jeden Tages wurde das Erlebte und die Erfahrungen in der Gruppe reflektiert, besprochen, bearbeitet und evaluiert. Zudem fand am Ende jedes Durchganges ein Abschlussabend mit den Eltern statt, an welchem auch Kommunal- und/oder Landespolitiker teilnahmen.

 

  • Krieg, Gewalt und Demokratieerfahrung 1918/19 (Förderverein für Stadtgeschichte e.V. Neustadt an der Orla)

Im November wurden es 100 Jahre, dass nach vierjährigem Krieg zwischen dem Deutschen Reich und den Alliierten Waffenstillstandsverhandlungen geführt wurden. Während dieser Beratungen vom 08. bis 11. November 1918 erfolgten am 9. November die Abdankung des Deutschen Kaisers Wilhelm II. und die Ausrufung der „Weimarer Republik“. Zuvor war es seit dem 03.11. 1918 zu revolutionären Unruhen gekommen (Novemberrevolution). Das Projekt widmet sich nicht der „Weltgeschichte“, sondern mit den Schwerpunkten Gewaltprävention, Demokratieerfahrung und Weltoffenheit dem Geschehen vor Ort. Es gliedert sich in drei Bestandteile:

  1. Ausstellung

Nach anfänglicher Begeisterung bei Kriegsausbruch im August 1914, kippte die Stimmung jedoch, da sich die Lage an der „Heimatfront“ rasch verschlechterte und es enorme Kriegsverluste gab. Dies führte dazu, dass aus dem Freudentaumel tiefe Trauer und Verzweiflung wurden. Mehr als 230 junge Männer aus Neustadt an der Front den Tod, der erste drei Wochen nach Kriegsausbruch, als letzter der 18-jährige Malerlehrling Heinrich Patzer.

Eine Projektgruppe des Orlatal-Gymnasiums beschäftigte sich mit den Biographien aller gefallenen Soldaten aus ihrer Heimatstadt, die in vielen Fällen nicht älter waren als heutige Gymnasiasten. Die Beschäftigung galt aber auch der Situation an der „Heimatfront“ zu Hause, wodurch das Schicksal der Schwestern und Mütter der Gefallenen in den Fokus tritt. Auf der Grundlage von Quellen des Neustädter Stadtarchivs und der örtlichen Presse (u. a. Todesanzeigen) wurd eine Dokumentation erarbeitet, die öffentlich in dieser Ausstellung gezeigt wurde.

  1. Lesung als ca. achtstündige Aktion unter dem Arbeitstitel „Nie wieder Krieg – Kriegstote mahnen“

Aus der Beschäftigung mit den Biographien aller „Weltkriegstoten“ aus Neustadt an der Orla wurde eine Lesung in Zusammenarbeit mit Schüler_innen des Orlatal-Gymnasiums entwickelt, während der all diese Kriegsopfer in Erinnerung gerufen werden und eine biographische Würdigung erfahren. Am 09.11.2018 in Neustadt an der Orla wurde in den einführenden Erläuterungen hierzu auf die Kriege der Gegenwart und auf die Kriegsgefahr auch für uns hingewiesen, aber auch auf die Opfer und das Leid bei den Kriegsgegnern 1914/18. Dies mündete in einem Plädoyer für Frieden, Toleranz und Weltoffenheit.

  1. Vortragsabend

Kriegsende und Neubeginn erhielten „vor Ort“ ihre konkrete Gestalt durch die Heimkehr der überlebenden, oft schwer verwundeten Soldaten und durch die politischen Veränderungen in jenem Staat, zu dem Neustadt an der Orla in jener Zeit gehörte: das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Hier erfolgte der Thronverzicht durch Großherzog Wilhelm Ernst ebenfalls am 9. November 1918. Für die Menschen eröffneten sich fortan neue Möglichkeiten der politischen Teilhabe (Arbeiter- und Soldatenräte, kommunalpolitisches Engagement), und es begann der Übergang zur Demokratie der Weimarer Republik.

Dem Ende von Erstem Weltkrieg und Fürstenherrschaft im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach wurde am 16.11.2018 in Neustadt an der Orla im Augustinersaal ein historischer Vortragsabend gewidmet, für den der Leitende Archivdirektor des Landesarchivs Thüringen, Herr Dr. Bernhard Post (Weimar) gewonnen werden konnte.

 

  • Neustädter KinoSommer (Ehrenamtsinitiative „Neustädter KinoSommer“)

Der Neustädter Kinosommer ist eine Veranstaltungsreihe innerhalb des kulturellen Angebots der Stadt Neustadt. Seit bereits 9 Jahren initiieren ehrenamtliche Organisatoren Kinoabende an ungewöhnlichen Orten, um neben guter Unterhaltung auch Diskussionen und Denkanstöße über brisante oder aktuelle Themen unter den Zuschauern anzuregen.

Bei der Filmauswahl folgt man nicht dem Mainstream, sondern setzt bewusst auf kleinere Produktionen und Nischenfilme. Auch bei den Präsentationen der Filme werden besondere, außergewöhnlich oder auch thematisch angepasste Orte gewählte. Oft folgen Gedankenaustausch oder moderiete Gespräche gleich unmittelbar nach der Kinoveranstaltung.

Dieses Jahr wurden zwei Filme mit hochaktuellen Themen unserer Gesellschaft gefördert. Im Mittelpunkt standen dabei die Bewältigung und der Umgang mit/von Stress und  Gewalt, sowie die aktuell verstärkt diskutierte Geschlechterfrage.

Zu diesen Themen wurden am 29.06.2018 der Film „Nur Fliegen ist schöner“ und am 17.08.2018 der Film „The danish girl“, jeweils mit anschließender Diskussion, gezeigt.

 

  • Fotoausstellung „Landschaft mit Campanile“ (Dr. Spiegler)

Die Foto-Ausstellung „Landschaft mit Campanile“ war vom 24. Januar bis zum 28. Februar im Landratsamt Saale-Orla zu sehen und wurde von Landrat Thomas Fügmann eröffnet.

Dr. Aribert Janus Spiegler fokussiert mit seiner Ausstellung nur scheinbar den Blick auf den Glockenturm am Ettersberg – den Campanile. Er erinnert an das Konzentrationslager Buchenwald und damit an einen Ort der Verbrechen des deutschen Nationalsozialismus als einen Ort der Un-Kultur. Dieser tritt in den Fotografien in unmittelbaren Dialog mit den Orten der Hoch-Kultur in Weimar und Erfurt.

Die Foto-Serie öffnet den Blick für geschichtliche Zusammenhänge in der deutschen und damit europäischen Geschichte. Sie verweist auf aktuelle Herausforderungen, die geeignet sind, Verantwortung aus dieser Geschichte für das Heute und Jetzt zu übernehmen. Die Begleittexte verschaffen dem Betrachter einen leichten Zugang zu den Inhalten, die in der Summe ein Plädoyer gegen alle Formen der Gewalt, der Fremdenfeindlichkeit und der Intoleranz sind.

 

  • Fest der Völkerverständigung am 12.05.2018 (Förderverein der Grundschule Langenorla e.V.)

In Langenorla finden seit 15 Jahren Gedenkveranstaltungen für die im Ortsteil Kleindembach der Gemeinde Langenorla untergebrachten Zwangsarbeiter der REIHMAHG statt.
An dieser Gedenkveranstaltung beteiligen sich viele Vereine der Gemeinde und die Einwohner bringen sich generationsübergreifend aktiv bei der Vorbereitung und Durchführung ein.

Schwerpunkt ist in diesem Jahr war wieder die Einbeziehung der jüngeren Generation in die Aktivitäten rund um die Gedenkveranstaltung.

Durchgeführt wurden unterschiedliche Projekte, die das Thema „Aufarbeitung und Aussöhnung“ aufnehmen und speziell für Kinder zugeschnitten sind.

In Vorbereitung auf die Gedenkveranstaltung gab es für die Kinder der 4. Klasse der Grundschule Langenorla einen Vortrag über die NS-Zeit. Der Vortrag setzt sich mit den Folgen von Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung auseinander.

Während eines weiteren Projektes pflegten die Kinder die Gedenkstätte für die 152 slowakischen Widerstandskämpfer sowie die Gedenkstätte für die drei ermordeten Italiener (KZ-Häftlinge).

Während der Gedenkveranstaltung am 12. Mai 2018 (Fest der Völkerverständigung) legten die Schüler gemeinsam mit den Zwangsarbeitern bzw. deren Angehörigen Blumen an der Gedenkstätte ab.

 

  • Begleitung des Jugendforums und Betreuung des Jugendfonds (Kreisjugendring Saale-Orla e.V.)

Das Jugendforum wurde zur Stärkung der Beteiligung von jungen Menschen an der „Partnerschaft für Demokratie“ eingerichtet. Die Mittel werden zur Förderung von Projekten verwendet, welche die Zielstellung des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ verfolgen. Ziel ist, junge Menschen für Beteiligungsprozesse zu begeistern und darin zu unterstützen, Gesellschaft selbständig mitzugestalten und nach ihren Ideen und Bedürfnissen zu entwickeln. Das Jugendforum knüpft an die jeweiligen Bedürfnisse vor Ort an.

Der Kreisjugendring Saale- Orla e.V. unterstützt das Jugendgremium „Jugendbeirat“ bei der Organisation. Der Jugendbeirat ist das Entscheidungsgremium, dass darüber befindet, wer, wieviel und wofür Mittel aus dem Jugendfonds erhält.

Der Kreisjugendring Saale- Orla e.V. begleitet die Akteurinnen und Akteure des Jugendforums fachlich und verwaltet die bereitgestellten Mittel des Jugendfonds. Durch die Begleitung des Kreisjugendrings soll der Zugang zu den Mitteln des Jugendfonds für die Jugendlichen möglichst einfach gestaltet werden. Durch die individuelle Beratung soll den Jugendlichen die Angst vor den bürokratischen Hürden genommen werden.

 

  • Wanderausstellung „Kindern eine Stimme geben!“ (Bildungswerk Blitz e.V.)

„Kindern eine Stimme geben“ war das Motto des jährlich am 20. September stattfindenden Weltkindertages im Jahr 2017. Im Vorfeld der Bundestagswahl riefen die Kinderrechtsorganisationen gemeinsam dazu auf, mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche in Deutschland zu schaffen.

Weil sich Bildungswerk BLITZ e.V. dieser Forderung uneingeschränkt anschließt, wurde am 23.09.2017, dem Wahlsonntag, in Pößneck ein Kinderfest organisiert und durchgeführt, verknüpft mit dem Transport des inhaltlichen Anliegens „Kindern eine Stimme geben.“ Gefördert wurde auch dieses Projekt durch die Partnerschaft für Demokratie.
Um eine Nachhaltigkeit der Veranstaltung und die Weiterarbeit im Themenfeld zu gewährleisten, entstand diese Wanderausstellung. Während der Veranstaltung fertigte ein Fotograf hochwertige Porträtfotos von Kinder und Jugendlichen an. Die TeilnehmerInnen formulierten zuvor einen Wunsch oder eine Botschaft und schrieben diese in eine Sprech- oder Denkblase, die dann ebenfalls auf dem Foto zu sehen ist. Ebenfalls sollen die im Vorfeld der Veranstaltung entstanden Bilder des Malwettbewerbs an den Schulen Eingang in die Ausstellung finden.
Teil des begleitenden pädagogischen Konzeptes sind Fragen, Anmerkungen und Anregungen, die in 10x15cm-großen Rahmen an den Fotos angebracht sind. Das Konzept beinhaltet Einheiten (von mindestens je 45 Minuten) zu verschiedenen Themen, die in direkter Beziehung zur Ausstellung stehen wie z.B. Kinderrechte, Menschenrechte, Partizipation, Flucht und Migration sowie Geschlechterrollen, die mit erlebnis-, spiel- und medienpädagogischer Gruppenarbeit einfach und für jede/n nachvollziehbar erläutert werden. Das Konzept wird Multiplikatoren/innen zur Verfügung gestellt.

Die Ausstellung ist ständig unterwegs und wurde unter anderem schon im Thüringer Landtag gezeigt.

 

  • Gemeinsam in einem Boot: interregionale und interkulturelle Begegnung am Thüringer Meer (Saale-Orla-Kreissportjugend im Saale-Orla-Kreissportbund e.V.)

Dieses Projekt ermöglicht Kindern und Jugendlichen durch einen niederschwelligen Zugang, in einen lebensweltlichen Erfahrungsaustausch zu treten. Während einer mehrtägigen Begegnung im Seesport und Erlebnispädagogischen Zentrum Kloster wurden mittels erlebnispädagogischer Maßnahmen mit den Teilnehmenden insbesondere Themen wie demokratische Aushandlungsprozesse, Fairness, Respekt und Toleranz behandelt. Dabei ging es um die gemeinsame Auseinandersetzung junger Menschen sehr unterschiedlicher Herkunftsmilieus und ethnisch-kultureller Kontexte. Alle zusammen sollen der Frage nach eigenen Potenzialen und Teilhabemöglichkeiten nachgehen.
Die Teilnehmenden der Partnerregionen (SOK und Rheingau-Taunus) haben sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Personen mit Migrationshintergrund. In der Partnerregion ist der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund deutlich höher, wohingegen die Zuwanderung im Saale-Orla-Kreis erst in der jüngeren Vergangenheit zugenommen hat.
Die Interregionale Perspektive kommt zudem ins Spiel, wenn ehrenamtliches Engagement (im Sportverein, Jugendtreff, etc.), Ausgrenzungserfahrungen und Zukunftsperspektiven zum Thema werden. Neben den Gruppenerlebnissen wurden auch persönlichkeitsstärkende Aufgaben absolviert. Die Programmumsetzung fand in der Natur statt, deshalb sind auch Ökologie und Nachhaltigkeit thematischer Bestandteil der Begegnung.

Die zentrale Methode des Projektes war der erlebnispädagogische Ansatz, durch den die genannten Themen partizipativ bearbeitet wurden. Die Erlebnispädagogik befasst sich mit Gruppen-Erfahrungen in der Natur, um die eigene Persönlichkeit aber auch soziale Kompetenzen zu entwickeln. Durch die gemeinschaftliche Bewältigung von Aufgaben ist eine Auseinandersetzung der Jugendlichen untereinander unabdingbar, Gruppenprozesse werden initiiert, intensiv erfahren und verarbeitet.
Sämtliche Erfahrungen dieser gemeinsamen Erlebnisse wurden in direkt anschließenden Reflexionsrunden mit methodischer Vielfalt thematisiert und bearbeitet.

 

Förderjahr 2017

  • „Come In“ – ein Haus für alle in Neustadt/Orla (Diakonieverein Orlatal e.V.)

Das COME IN ist ein zentraler und attraktiver Ort, an dem sich Einwohner und Einwohnerinnen unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft begegnen können, um sich kennenzulernen und voneinander zu lernen. Eine Projektleiterin koordiniert die Angebote in Kooperation mit einem Ehrenamtsteam je nach den Bedürfnissen der Besucher. Es werden kulturelle Angebote, Aktivitäten, Informations- und Bildungsangebote mit einem Netzwerk aus regionalen Vereinen und Initiativen umgesetzt. Auf diese Weise eröffnet sich die Chance, insbesondere benachteiligte Bürger und Bürgerinnen in Kontakt zu Kultur und Vereinen der Region zu vermitteln, im Sozialraum aktiv dabei zu sein und mitzugestalten. Möglichkeiten der Selbstorganisation stärken die Kompetenzen der Besucherinnen und Besucher.

  • Interkulturelles Nähcafé in Gefell (Saale-Neckar Diakonie)

Das Nähcafé soll ein Ort der Begegnung sein, an dem ein ungezwungenes Kennenlernen von Menschen unterschiedlichster Hintergründe durch gemeinsame Handarbeit realisiert wird. Dabei geht es um Kommunikation auf vielfältige Weise, den Aufbau von Beziehungen und eine Pflege der Kontakte. Ziele sind weiter das Kennenlernen anderer Kulturen und Lebensweisen und die Entwicklung einer positiven Umgangskultur. Zudem wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ermöglicht, ihre Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Diese Begegnung soll möglichst Ausgangspunkt weiterer gemeinsamer Aktivitäten von Alteingesessenen und neu Hinzugezogenen sein: Spiele und Sport, Musizieren / Musik hören und tanzen, Nachbarschaftshilfe.

  • Fest der Völkerverständigung in Langenorla – Aufarbeitung und Aussöhnung

Das Gedenken an die Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft und Zwangsarbeit hat in Langenorla generationsübergreifend einen festen Platz. An der Vorbereitung der Gedenkveranstaltung beteiligen sich unterschiedliche Vereine der kleinen Gemeinde. Schwerpunkt ist in diesem Jahr wieder die Einbeziehung der jüngeren Generation in die Aktivitäten rund um die Gedenkveranstaltung. Durchgeführt werden unterschiedliche Projekte, die das Thema „Aufarbeitung und Aussöhnung“ aufnehmen und speziell für Kinder zugeschnitten sind. In Vorbereitung setzen sich die Kinder der 4. Klasse der Grundschule Langenorla mit dem Thema NS und den Folgen von Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung auseinander. Während eines anderen Projektes werden die Kinder die Gedenkstätte für die 152 slowakischen Widerstandskämpfer sowie die Gedenkstätte für die drei ermordeten Italiener (KZ-Häftlinge) pflegen. Während der Gedenkveranstaltung am 13. Mai 2017 legen die Schüler gemeinsam mit den extra anreisenden Zwangsarbeitern bzw. deren Angehörigen Blumen an der Gedenkstätte ab.

  • ProvinzKultur – niedrigschwellige Kulturprojekte zur Förderung des sozialen Zusammenhaltes (Pößneck alternativer Freiraum e.V.)

Die Region um Pößneck ist auch aufgrund der oft als gering wahrgenommenen Gestaltungsmöglichkeiten für Jugendliche nur mäßig attraktiv. Aus mangelnder Identifikation ergibt sich eine geringe gesellschaftliche Beteiligung und durch den Wegzug in größere Städte wird das demografische Problem zusätzlich verstärkt. Mit der Projektreihe wird ein Beitrag zu einer Gegenentwicklung geleistet – sie will zeigen, dass der ländliche Raum nicht abgeschrieben ist sowie aufzeigen und anregen, welche Formen des gesellschaftlichen Engagements möglich sind. Über mehrere Monate werden Workshops, Lesungen, Konzerte und Diskussionszirkel, die sich verschiedensten politischen und (inter)kulturellen Themen widmen, veranstaltet. Dazu sind folgende Bereiche geplant:

  1. Musikveranstaltungen/ Konzerte – Durch die Vielfalt der musikalischen Angebote öffnen wir den Freiraum für heterogene Menschengruppen und können so auch Kontakte zu politisch vermeintlich uninteressierte Menschen knüpfen.
  2. Aktions-/Thementage – deren oberstes Ziel die Vermittlung von Werten wie Toleranz, Demokratie, Akzeptanz verschiedener (Jugend-)Kulturen, Religionen und Ansichten ist.
  3. Lesungen/Diskussionen- als Einstieg zur Beschäftigung mit gesellschaftlichen Themen wie Ausgrenzung
  • Ausstellung „Angsträume – Opfer rechter Gewalt in Thüringen“ (Bildungswerk Blitz e.V.)

Nach fremdenfeindlichen Übergriffen und extremen Formen rechter Gewalt in Neustadt/Orla im Jahr 2016 ist es geboten, ein Zeichen gegen diese Entwicklung zu setzen. Bildungswerk BLITZ e.V. plant deshalb für die Räume des Offenen Jugendhauses die ezra-Ausstellung „Angsträume“ zu zeigen. „Angsträume“ dokumentiert Fälle rechter Gewalt, die sich zwischen 2012 und 2015 in Thüringen ereignet haben. Das Anliegen der Ausstellung ist, für die Alltäglichkeit rechter Gewalt zu sensibilisieren. Einige Formen von Gewalt werden dauerhaft, andere subtiler oder bedrohlicher ausgeübt. Viele Fälle erfahren keine Öffentlichkeit. Schulklassen (ab der 8. Klasse) aus Triptis und Neustadt sollen durch die Ausstellung begleitet werden, subjektive Gefühle werden reflektiert und konkrete Handlungsmöglichkeiten für Betroffene, Angehörige und ZeugInnen besprochen. Nachmittags ist die Ausstellung allen Interessierten zugänglich.

  • Perform your rights (Bildungswerk Blitz e.V.)

Ziel des Projekts ist es Jugendliche unterschiedlicher Herkunft, Hintergründe und (Lebens-)Erfahrungen in Kontakt zu bringen. Im Zuge der Erarbeitung einer Performance setzen sie sich gemeinsam mit den Themen Menschen- und Kinderrechte auseinander. Das Ergebnis wird am Ende des Projekts öffentlich aufgeführt. Im Rahmen der Veranstaltung sollen durch das Ermöglichen von Begegnung, das Erkennen von Gemeinsamkeiten, das Entdecken von Vielfalt, sowie das Erleben von Gemeinschaft, soziale und interkulturelle Kompetenz gestärkt werden. Die Auseinandersetzung mit Menschen- und Kinderrechten bilden einen thematischen Schwerpunkt in der Projektwoche. Ziele sind Wissenserwerb, Sensibilisierung und Empowerment: Wissen über wichtige Instrumente zum Schutz der Menschen- und Kinderrechte, deren Inhalte und Bedeutung, zugrunde liegende Werte sowie die soziale und historische Entwicklung; Sensibilisierung für die Relevanz und Bedeutung von Menschen- und Kinderrechten, sowie Verstöße gegen diese; Empowerment und Bestärkung darin, die eigenen und die Rechte anderer zu verteidigen, sowie die Befähigung zum Handeln und zu emanzipatorischem Denken.

  • Gemischtes Doppel – Interkulturelle und interregionale Begegnung am Edersee (Saale-Orla Kreissportjugend)

Dieses Projekt soll Kindern und Jugendlichen aus dem SOK und dem Rheingau-Taunus durch einen niederschwelligen Zugang ermöglichen, in einen lebensweltlichen Erfahrungsaustausch zu treten. Während eines mehrtägigen Camps werden über erlebnispädagogische Maßnahmen mit den Teilnehmenden insbesondere Themen wie demokratische Aushandlungsprozesse, Fairness, Respekt sowie Grenzziehungen und Toleranz behandelt. Dabei geht es um die gemeinsame Auseinandersetzung junger Menschen sehr unterschiedlicher Herkunftsmilieus und ethnisch-kultureller Kontexte. Alle zusammen sollen der Frage nach eigenen Potenzialen und Teilhabemöglichkeiten nachgehen. Die lebensweltlichen Erfahrungen der Jugendlichen werden durch die Begegnung mit Anderen in einen neuen Kontext gesetzt und hinterfragt. Die Interregionale Perspektive kommt zudem ins Spiel, wenn ehrenamtliches Engagement (im Sportverein, Jugendtreff, etc.), Ausgrenzungserfahrungen und Zukunftsperspektiven zum Thema werden. Durch die Gruppendynamik beim Lösen verschiedener Aufgaben werden Kommunikationsregeln erarbeitet, Respekt, Akzeptanz und Offenheit gefördert, das Selbstbewusstsein geschult und eigene Potenziale und Möglichkeiten erkannt.

  • Kulturpädagogische Performance „Abschied und Ankommen“ in Bad Lobenstein (Lesezeichen e.V.)

Das Projekt will einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung leisten. Da der bloße Spracherwerb nicht ausreicht, um sich in Deutschland zurechtzufinden, will das Theaterprojekt bei uns ankommende Menschen auf unterhaltsame Weise die Verabredungen unserer Gesellschaft näher bringen, von Prinzipien wie Konsens oder Kompromiss über Rechtsstaatlichkeit bis hin zu Geschlechterrollen und Frauenrechten. Es wird auf Kunst und Unterhaltung gesetzt, um Menschen das Ankommen in „unserer Kultur“ durch eine emotionale Art zu ermöglichen. Dabei wird die Existenz einer einheitlichen Vorstellung von „Deutschland“ hinterfragt und aufgebrochen, was das Theaterstück auch für Alteingesessene interessant macht und wo sich Räume für Denkanstöße und Diskussionen öffnen.

  • Fest zum Weltkindertag – Kindern eine Stimme geben (Bildungswerk Blitz e.V.)

Das Fest zum Weltkindertag soll am Sonntag der Bundestagswahl stattfinden. Gerade weil Eltern Ihre demokratischen Rechte an diesem Tag wahrgenommen haben, sind sie bereit, über das Recht auf Beteiligung ihrer Kinder nachzudenken. Und falls Eltern noch nicht von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben, sollen sie umgekehrt durch die Veranstaltung dazu ermutigt werden. Gleichzeitig sollen auch Kinder und Jugendliche dazu angeregt werden, über ihr Recht auf Beteiligung, über (fehlende oder bestehende) Formen und Orte der Partizipation nachzudenken. Den methodischen Ausgangspunkt bildet das Kinderfest mit niederschwelligen Angeboten (Streetsoccer, Hüpfburg, Workshops mit MusikerInnen und GraffitikünstlerInnen, Giveaways, FotografIn für Porträtfotos). Öffentlichkeitswirksamkeit wird im Vorfeld, wie jedes Jahr, durch einen Malwettbewerb an den Schulen erreicht. Um eine Nachhaltigkeit der Veranstaltung zu gewährleisten – und für die Weiterarbeit im Themenfeld demokratische Emanzipation und Partizipation von Kindern und Jugendlichen im Landkreis – soll in diesem Jahr im Nachgang eine Foto-Ausstellung entstehen. Diese soll dann vor allem in öffentlichen Räumen (Landratsamt, Bibliotheken, Schulen, Jugendhaus … ) und bei Projekten der politischen Bildung gezeigt werden.

 

Förderjahr 2016

In dem Orte und Gelegenheiten zur Begegnung geschaffen bzw. unterstützt und etabliert wurden, hat die Partnerschaft für Demokratie im Förderjahr 2016 durch mehrere Einzelprojekte zur Weiterentwicklung einer Kultur des Willkommens im Saale-Orla-Kreis maßgeblich beigetragen. So gelangen besonders eine nachbarschaftliche Integration, der interkulturelle Austausch in persönlichen Begegnungen und alltägliche Hilfestellungen durch die konkrete Umsetzung der Projektträger. Aufgrund der Bedürfnisse vor Ort wurde 2016 eine deutlich starke Gewichtung auf die Etablierung einer Willkommenskultur und damit einhergehend eine Sensibilisierung gegen Phänomene der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit gelegt. Schon Ende des Jahres, besonders aber ab 2017, wurde der Fokus immer weiter dahingehend verschoben, dass die Bestrebungen auf das Niveau einer umfassenden Inklusion gehoben werden sollen.

Außerdem wurden Kinder und Jugendliche u.a. durch Projekte der historisch-politischen Bildungsarbeit zu den Themen Rechtsextremismus und Demokratie sensibilisiert. Alle durchgeführten Projekte zielten zudem darauf ab, die Erklärmuster einer rechtsextremen Weltanschauung bzw. gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aufzubrechen. Es wurde sich auf der soziokulturellen Ebene fehlenden informellen Bildungsangeboten, fehlenden Partizipationsstrukturen für Jugendliche und damit auch den Problemen der negativen demographischen Entwicklung des Landkreises entgegengestellt und dabei nicht zuletzt ein integrativer Zugang zum Themenfeld geschaffen.

Im Einzelnen wurden folgende Projekte gefördert:

  • Fest der Völkerverständigung in Langenorla
  • „Politik simulieren, Demokratie erleben“ – Planspiel am Gymnasium Neustadt/Orla
  • Interkulturelles Nähcafé in Gefell
  • Kulturpädagogische Performance „Abschied und Ankommen“ in Neustadt/Orla (Lesezeichen e.V.)
  • „Das rote Sofa – Worte vom Rand der Gesellschaft“, „Dusterstadl“, „Sommerwerkstatt – tolerant leben, demokratisch handeln“, „FlowMarkt der Kulturen“ (Pößneck alternativer Freiraum e.V.)
  • „Kindern ein Zuhause geben – Fest zum Weltkindertag“ (Bildungswerk Blitz e.V.)
  • „Gelebte Vielfalt nicht nur am Ramadan“ –TheKIZ Farbenklex in Triptis (Diakonieverein Orlatal e.V.)
  • Come In“ – Raum für Begegnung in Neustadt Orla