Projekte

Im laufenden Förderjahr wurden folgende Projekte bereits bewilligt:

  • „Come In“ – ein Haus für alle in Neustadt/Orla (Diakonieverein Orlatal e.V.)

Das COME IN ist ein zentraler und attraktiver Ort, an dem sich Einwohner und Einwohnerinnen unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft begegnen können, um sich kennenzulernen und voneinander zu lernen. Eine Projektleiterin koordiniert die Angebote in Kooperation mit einem Ehrenamtsteam je nach den Bedürfnissen der Besucher. Es werden kulturelle Angebote, Aktivitäten, Informations- und Bildungsangebote mit einem Netzwerk aus regionalen Vereinen und Initiativen umgesetzt. Auf diese Weise eröffnet sich die Chance, insbesondere benachteiligte Bürger und Bürgerinnen in Kontakt zu Kultur und Vereinen der Region zu vermitteln, im Sozialraum aktiv dabei zu sein und mitzugestalten. Möglichkeiten der Selbstorganisation stärken die Kompetenzen der Besucherinnen und Besucher.

  • Interkulturelles Nähcafé in Gefell (Saale-Neckar Diakonie)

Das Nähcafé soll ein Ort der Begegnung sein, an dem ein ungezwungenes Kennenlernen von Menschen unterschiedlichster Hintergründe durch gemeinsame Handarbeit realisiert wird. Dabei geht es um Kommunikation auf vielfältige Weise, den Aufbau von Beziehungen und eine Pflege der Kontakte. Ziele sind weiter das Kennenlernen anderer Kulturen und Lebensweisen und die Entwicklung einer positiven Umgangskultur. Zudem wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ermöglicht, ihre Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Diese Begegnung soll möglichst Ausgangspunkt weiterer gemeinsamer Aktivitäten von Alteingesessenen und neu Hinzugezogenen sein: Spiele und Sport, Musizieren / Musik hören und tanzen, Nachbarschaftshilfe.

  • Fest der Völkerverständigung in Langenorla – Aufarbeitung und Aussöhnung

Das Gedenken an die Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft und Zwangsarbeit hat in Langenorla generationsübergreifend einen festen Platz. An der Vorbereitung der Gedenkveranstaltung beteiligen sich unterschiedliche Vereine der kleinen Gemeinde. Schwerpunkt ist in diesem Jahr wieder die Einbeziehung der jüngeren Generation in die Aktivitäten rund um die Gedenkveranstaltung. Durchgeführt werden unterschiedliche Projekte, die das Thema „Aufarbeitung und Aussöhnung“ aufnehmen und speziell für Kinder zugeschnitten sind. In Vorbereitung setzen sich die Kinder der 4. Klasse der Grundschule Langenorla mit dem Thema NS und den Folgen von Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung auseinander. Während eines anderen Projektes werden die Kinder die Gedenkstätte für die 152 slowakischen Widerstandskämpfer sowie die Gedenkstätte für die drei ermordeten Italiener (KZ-Häftlinge) pflegen. Während der Gedenkveranstaltung am 13. Mai 2017 legen die Schüler gemeinsam mit den extra anreisenden Zwangsarbeitern bzw. deren Angehörigen Blumen an der Gedenkstätte ab.

  • ProvinzKultur – niedrigschwellige Kulturprojekte zur Förderung des sozialen Zusammenhaltes (Pößneck alternativer Freiraum e.V.)

Die Region um Pößneck ist auch aufgrund der oft als gering wahrgenommenen Gestaltungsmöglichkeiten für Jugendliche nur mäßig attraktiv. Aus mangelnder Identifikation ergibt sich eine geringe gesellschaftliche Beteiligung und durch den Wegzug in größere Städte wird das demografische Problem zusätzlich verstärkt. Mit der Projektreihe wird ein Beitrag zu einer Gegenentwicklung geleistet – sie will zeigen, dass der ländliche Raum nicht abgeschrieben ist sowie aufzeigen und anregen, welche Formen des gesellschaftlichen Engagements möglich sind. Über mehrere Monate werden Workshops, Lesungen, Konzerte und Diskussionszirkel, die sich verschiedensten politischen und (inter)kulturellen Themen widmen, veranstaltet. Dazu sind folgende Bereiche geplant:

  1. Musikveranstaltungen/ Konzerte – Durch die Vielfalt der musikalischen Angebote öffnen wir den Freiraum für heterogene Menschengruppen und können so auch Kontakte zu politisch vermeintlich uninteressierte Menschen knüpfen.
  2. Aktions-/Thementage – deren oberstes Ziel die Vermittlung von Werten wie Toleranz, Demokratie, Akzeptanz verschiedener (Jugend-)Kulturen, Religionen und Ansichten ist.
  3. Lesungen/Diskussionen- als Einstieg zur Beschäftigung mit gesellschaftlichen Themen wie Ausgrenzung
  • Ausstellung „Angsträume – Opfer rechter Gewalt in Thüringen“ (Bildungswerk Blitz e.V.)

Nach fremdenfeindlichen Übergriffen und extremen Formen rechter Gewalt in Neustadt/Orla im Jahr 2016 ist es geboten, ein Zeichen gegen diese Entwicklung zu setzen. Bildungswerk BLITZ e.V. plant deshalb für die Räume des Offenen Jugendhauses die ezra-Ausstellung „Angsträume“ zu zeigen. „Angsträume“ dokumentiert Fälle rechter Gewalt, die sich zwischen 2012 und 2015 in Thüringen ereignet haben. Das Anliegen der Ausstellung ist, für die Alltäglichkeit rechter Gewalt zu sensibilisieren. Einige Formen von Gewalt werden dauerhaft, andere subtiler oder bedrohlicher ausgeübt. Viele Fälle erfahren keine Öffentlichkeit. Schulklassen (ab der 8. Klasse) aus Triptis und Neustadt sollen durch die Ausstellung begleitet werden, subjektive Gefühle werden reflektiert und konkrete Handlungsmöglichkeiten für Betroffene, Angehörige und ZeugInnen besprochen. Nachmittags ist die Ausstellung allen Interessierten zugänglich.

  • Perform your rights (Bildungswerk Blitz e.V.)

Ziel des Projekts ist es Jugendliche unterschiedlicher Herkunft, Hintergründe und (Lebens-)Erfahrungen in Kontakt zu bringen. Im Zuge der Erarbeitung einer Performance setzen sie sich gemeinsam mit den Themen Menschen- und Kinderrechte auseinander. Das Ergebnis wird am Ende des Projekts öffentlich aufgeführt. Im Rahmen der Veranstaltung sollen durch das Ermöglichen von Begegnung, das Erkennen von Gemeinsamkeiten, das Entdecken von Vielfalt, sowie das Erleben von Gemeinschaft, soziale und interkulturelle Kompetenz gestärkt werden. Die Auseinandersetzung mit Menschen- und Kinderrechten bilden einen thematischen Schwerpunkt in der Projektwoche. Ziele sind Wissenserwerb, Sensibilisierung und Empowerment: Wissen über wichtige Instrumente zum Schutz der Menschen- und Kinderrechte, deren Inhalte und Bedeutung, zugrunde liegende Werte sowie die soziale und historische Entwicklung; Sensibilisierung für die Relevanz und Bedeutung von Menschen- und Kinderrechten, sowie Verstöße gegen diese; Empowerment und Bestärkung darin, die eigenen und die Rechte anderer zu verteidigen, sowie die Befähigung zum Handeln und zu emanzipatorischem Denken.

  • Gemischtes Doppel – Interkulturelle und interregionale Begegnung am Edersee (Saale-Orla Kreissportjugend)

Dieses Projekt soll Kindern und Jugendlichen aus dem SOK und dem Rheingau-Taunus durch einen niederschwelligen Zugang ermöglichen, in einen lebensweltlichen Erfahrungsaustausch zu treten. Während eines mehrtägigen Camps werden über erlebnispädagogische Maßnahmen mit den Teilnehmenden insbesondere Themen wie demokratische Aushandlungsprozesse, Fairness, Respekt sowie Grenzziehungen und Toleranz behandelt. Dabei geht es um die gemeinsame Auseinandersetzung junger Menschen sehr unterschiedlicher Herkunftsmilieus und ethnisch-kultureller Kontexte. Alle zusammen sollen der Frage nach eigenen Potenzialen und Teilhabemöglichkeiten nachgehen. Die lebensweltlichen Erfahrungen der Jugendlichen werden durch die Begegnung mit Anderen in einen neuen Kontext gesetzt und hinterfragt. Die Interregionale Perspektive kommt zudem ins Spiel, wenn ehrenamtliches Engagement (im Sportverein, Jugendtreff, etc.), Ausgrenzungserfahrungen und Zukunftsperspektiven zum Thema werden. Durch die Gruppendynamik beim Lösen verschiedener Aufgaben werden Kommunikationsregeln erarbeitet, Respekt, Akzeptanz und Offenheit gefördert, das Selbstbewusstsein geschult und eigene Potenziale und Möglichkeiten erkannt.

  • Kulturpädagogische Performance „Abschied und Ankommen“ in Bad Lobenstein (Lesezeichen e.V.)

Das Projekt will einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung leisten. Da der bloße Spracherwerb nicht ausreicht, um sich in Deutschland zurechtzufinden, will das Theaterprojekt bei uns ankommende Menschen auf unterhaltsame Weise die Verabredungen unserer Gesellschaft näher bringen, von Prinzipien wie Konsens oder Kompromiss über Rechtsstaatlichkeit bis hin zu Geschlechterrollen und Frauenrechten. Es wird auf Kunst und Unterhaltung gesetzt, um Menschen das Ankommen in „unserer Kultur“ durch eine emotionale Art zu ermöglichen. Dabei wird die Existenz einer einheitlichen Vorstellung von „Deutschland“ hinterfragt und aufgebrochen, was das Theaterstück auch für Alteingesessene interessant macht und wo sich Räume für Denkanstöße und Diskussionen öffnen.

  • Fest zum Weltkindertag – Kindern eine Stimme geben (Bildungswerk Blitz e.V.)

Das Fest zum Weltkindertag soll am Sonntag der Bundestagswahl stattfinden. Gerade weil Eltern Ihre demokratischen Rechte an diesem Tag wahrgenommen haben, sind sie bereit, über das Recht auf Beteiligung ihrer Kinder nachzudenken. Und falls Eltern noch nicht von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben, sollen sie umgekehrt durch die Veranstaltung dazu ermutigt werden. Gleichzeitig sollen auch Kinder und Jugendliche dazu angeregt werden, über ihr Recht auf Beteiligung, über (fehlende oder bestehende) Formen und Orte der Partizipation nachzudenken. Den methodischen Ausgangspunkt bildet das Kinderfest mit niederschwelligen Angeboten (Streetsoccer, Hüpfburg, Workshops mit MusikerInnen und GraffitikünstlerInnen, Giveaways, FotografIn für Porträtfotos). Öffentlichkeitswirksamkeit wird im Vorfeld, wie jedes Jahr, durch einen Malwettbewerb an den Schulen erreicht. Um eine Nachhaltigkeit der Veranstaltung zu gewährleisten – und für die Weiterarbeit im Themenfeld demokratische Emanzipation und Partizipation von Kindern und Jugendlichen im Landkreis – soll in diesem Jahr im Nachgang eine Foto-Ausstellung entstehen. Diese soll dann vor allem in öffentlichen Räumen (Landratsamt, Bibliotheken, Schulen, Jugendhaus … ) und bei Projekten der politischen Bildung gezeigt werden.

 

Förderjahr 2016

In dem Orte und Gelegenheiten zur Begegnung geschaffen bzw. unterstützt und etabliert wurden, hat die Partnerschaft für Demokratie im Förderjahr 2016 durch mehrere Einzelprojekte zur Weiterentwicklung einer Kultur des Willkommens im Saale-Orla-Kreis maßgeblich beigetragen. So gelangen besonders eine nachbarschaftliche Integration, der interkulturelle Austausch in persönlichen Begegnungen und alltägliche Hilfestellungen durch die konkrete Umsetzung der Projektträger. Aufgrund der Bedürfnisse vor Ort wurde 2016 eine deutlich starke Gewichtung auf die Etablierung einer Willkommenskultur und damit einhergehend eine Sensibilisierung gegen Phänomene der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit gelegt. Schon Ende des Jahres, besonders aber ab 2017, wurde der Fokus immer weiter dahingehend verschoben, dass die Bestrebungen auf das Niveau einer umfassenden Inklusion gehoben werden sollen.

Außerdem wurden Kinder und Jugendliche u.a. durch Projekte der historisch-politischen Bildungsarbeit zu den Themen Rechtsextremismus und Demokratie sensibilisiert. Alle durchgeführten Projekte zielten zudem darauf ab, die Erklärmuster einer rechtsextremen Weltanschauung bzw. gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aufzubrechen. Es wurde sich auf der soziokulturellen Ebene fehlenden informellen Bildungsangeboten, fehlenden Partizipationsstrukturen für Jugendliche und damit auch den Problemen der negativen demographischen Entwicklung des Landkreises entgegengestellt und dabei nicht zuletzt ein integrativer Zugang zum Themenfeld geschaffen.

Im Einzelnen wurden folgende Projekte gefördert:

  • Fest der Völkerverständigung in Langenorla
  • „Politik simulieren, Demokratie erleben“ – Planspiel am Gymnasium Neustadt/Orla
  • Interkulturelles Nähcafé in Gefell
  • Kulturpädagogische Performance „Abschied und Ankommen“ in Neustadt/Orla (Lesezeichen e.V.)
  • „Das rote Sofa – Worte vom Rand der Gesellschaft“, „Dusterstadl“, „Sommerwerkstatt – tolerant leben, demokratisch handeln“, „FlowMarkt der Kulturen“ (Pößneck alternativer Freiraum e.V.)
  • „Kindern ein Zuhause geben – Fest zum Weltkindertag“ (Bildungswerk Blitz e.V.)
  • „Gelebte Vielfalt nicht nur am Ramadan“ –TheKIZ Farbenklex in Triptis (Diakonieverein Orlatal e.V.)
  • Come In“ – Raum für Begegnung in Neustadt Orla